Die Gustav-Adolf-Kirche in Amöneburg


Standort

Gustav-Adolf-Kirche

Melanchthonstraße 15

65203 Wiesbaden-Amöneburg

Email: info@oranierkirche.de

Telephone: 0611 / 66 88 1


Die Geschichte der Gustav-Adolf-Kirche

Mit dem Anfang der Industriealisierung und dem wirtschaftlichen Aufschwung wuchs auch der Ort Amöneburg. Im Zuge der Ansiedlung verschiedener Fabriken (1852 die Rheinische Glasfabrik, 1861 die Firma Albert mit einer Farbrik zur Herstellung künstlichen Düngers, 1864 das Zementwerk von Wilhelm Gustav Dyckerhoff und seiner Söhne Gustav und Rudolf) musste auch Wohnraum für deren Beschäftigte geschaffen werden. Hatte der Stadtteil 1860 noch 107 Bewohner, waren es 1950 schon 2.300.

Schon bald wuchs auch das Bedürfnis nach einem Gotteshaus. Ab 1889 fand der evangelische Gottesdienst im Speisesaal der Fa. Dyckerhoff statt, seit 1907 im vergrößerten Kantinengebäude derselben Firma.

In Erwartung eines weiteren und stetigen Zuzugs auch evangelischer Christinnen und Christen entstand der Wunsch nach einer eigenen großen Kirche für die evangelische Gemeinde.

 

1902 wurde dazu der Grundstock für einen Kirchenbaufond gelegt, sechs Jahre später nahm sich auch der Gustav- Adolf-Verein dieses Vorhabens an. Eine rege Sammeltätigkeit setzte ein und schließlich konnte auch ein geeigneter Bauplatz gefunden werden, den die Firma Dyckerhoff zu ihrem 50. Firmenjubiläum im Jahr 1914 stiftete. Im selben Jahr brach jedoch der Erste Weltkrieg aus. Das gesammelte Geld ging als Kriegsanleihe und den Verfall der Währung in den Nachkriegsjahren verloren. Trotzdem hielt die Gemeinde am Traum einer eigenen Kirche fest und sammelte zusammen mit dem Gustav-Adolf-Verein so viel Geld, dass 1931 die Grundsteinlegung für die neue Kirche erfolgen konnte. Die Weihe des Grundsteines erfolgte durch Pfarrer Heinz, Superintendent Diehl, den Vertretern des Kreisamtes, der Stadt, des Gustav-Adolf-Vereins, der Gemeinde, sowie Herrn Otto Dyckerhoff und den beiden Architekten Baurat Gelius und Bauleiter RühI.

 

Am 28. August 1932 wurde das Gotteshaus eingeweiht, nachdem am Sonntag, den 5. Juli 1932 die drei bronzenen Kirchenglocken in feierlichem Zug zu ihrem Aufhängungsort gefahren wurden und von Pfarrer Heinz zum Kirchendienst eingesegnet wurden.

Als einziger Kirchenneubau der 30er Jahre in Wiesbaden wurde das Gotteshaus nach dem schwedischen König Gustav II. Adolf benannt, dessen Eingreifen in den Dreißigjährigen Krieg in Deutschland einen Sieg des kaiserlichen katholischen Lagers der Habsburger verhinderte und damit indirekt die Existenz des deutschen Protestantismus sicherte.

Eine als Relief geformte Aufschrift ,,Gott unsere Hilfe - Gustav Adolf zum Gedächtnis 1632 - 1832 - 1932" erinnert an den Namensgeber: 1632 war sein Todesjahr, 1932 die Einweihung der Kirche. Unklar bleibt die Bedeutung der Jahreszahl 1832 (das Todesjahr Goethes?).

 

In der äußeren Gestaltung der Kirche zeigt sich ein repräsentatives Gotteshaus mit rötlicher Backsteinfassade, die eher an norddeutsche Kirchen erinnert. Zur strengen, durchaus massiv-selbstbewußten Architektur trägt auch der prägnante Turm bei, der zusätzlich mit einem Turmhaus versehen ist und unübersehbar deutlich in den Himmel ragt. Die Galerie rund um das Turmhaus erlaubt einen phantastischen Blick auf Ort und Landschaft. Zwei helle Sandsteinsäulen beiderseits des Eingangs, sind gekrönt von Reichsapfel und Kreuz, dem Herrschaftszeichen von Kaisern und Königen.

 

Im Inneren folgt die Architektur dem klassischem Grundriß einer mittelalterlichen dreischiffigen Basilika mit weit ausladendem Chorbogen und geradem Chorabschluß. Die Wände des Hauptschiffs werden von Pfeilern getragen, die Decke besteht aus dunklen Holzbalken und dunkler Vertäfelung, Kanzel und Taufbecken sind aus hellgrauem Stein und achteckig gestaltet. Vermittelt diese Architektur durchaus eine gewisse Strenge, sorgen die verwendetet Farben aber für sehr viel Wärme, Fröhlichkeit und schlichtes, hoffnungsfrohes und lebendiges Gottvertrauen.

 

Zusammen mit der Kirche wurde 1932 auch ihre Orgel eingeweiht. Sie passte mit ihrer technischen Ausstattung und Größe sehr gut zur exzellenten Akustik der Kirche. Usprünglich mit 2 Manuale (Tastaturen) und Pedal mit insgesamt 17 Registern und 858 Pfeifen ausgestattet, forderte aber schon der Zweite Weltkrieg seinen Tribut: Als Folge eines Bombeneinschlags in unmittelbarer Nähe der Kirche, wurde die Orgel durch einen Wasserschaden erheblich beschädigt: Mehr als 56o Pfeifen wurden durch Rost, Korrosion und Verformung unbrauchbar, speziell die Holzpfeifen durch feuchtebedingte Verbiegung. Lediglich ein Manual war noch spielbar. Erst 1985 nahm man die Möglichkeit einer Wiederherstellung des ursprünglichen Umfangs der Orgel in den Blick, im Jahr 2001 konnte diese schließlich realisiert werden. Nun verrichten wieder 2 Manuale und Pedal, 16 Register mit insgesamt 804 Pfeifen ihre Dienst.